Freitag, 24. Juli 2009

Der letzte macht das Licht aus!

Solltet ihr auf einen Countdown gewartet haben, habt ihr ihn verpasst. Ich im Übrigen auch. Wir sind inzwischen bereits bei 7. Noch sieben Tage, dann geht der Flieger nach Berlin - endgültig, ohne "retour", mit Sack und Pack, und damit auch mit mir. Ich habe nach meinem kurzen Intermezzo in Deutschand vergangenes Wochenende gemerkt, dass ich Lyon durchaus vermissen kann. Ich war nach drei Tagen sogar glücklich, noch einmal herzukommen, auch wenn es nur zwei Wochen sind. Meinen lieben Großeltern muss ich an dieser Stelle noch einmal einen ganz lieben Dank für ein wahnsinnig schönes Wochenende aussprechen, es war fantastisch!!



Da ich nur noch eine Tasche zum Packen habe, werde ich wohl aussortieren müssen. "Alles muss raus" quasi! Ich kann ja auf einiges verzichten, nur mein Anzug muss unbedingt mit...und zwar knitterfrei! Freitag Abend 22:30 Uhr lande ich in Bärlin, Samstag Vormittag um 10:00 Uhr startet die schon angesprochene Hochzeitsfeier meiner Freundin Wenka. Abzüglich Rasur, Unterbodenwäsche, Föhnfrisur und S-Bahn-Chaos in Berlin macht das ziemlich wenig Schlaf. Aber das soll man sich auch sparen, so lang es noch geht. Ab 30 baut der Körper zurück, dann hat man noch genug Zeit. Ich versteh ja nich ganz, warum die biologische Uhr sich nicht auch einmal der Entwicklung anpasst. Immer älter werden die Menschen, da könnten sie auch wenigstens später anfangen zu altern. Ich plädiere fürs Alterseintrittsalter ab 37 (wers radikal mag und Bundesbänker ist, auch gerne 39) - schrittweise bis 2011 versteht sich. So flexibel müssen die Gene schon sein. Irgendwie ist letzten Endes doch wieder die Natur Herr über uns, nicht umgekehrt. Außer in Russland. Da herrscht immer noch der Vodka. 59 ist jenseits des Urals die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer, musste ich grade wieder lesen. Zuviele Arbeitsunfälle in Folge des Hochprozentigen. Nicht dass mir das Zeug nicht schmecken würde. Aber man muss nach dem Genuss wenigstens noch in der Lage sein, die Kreissäge oder den Hebekran zu bedienen. Es geht wie immer nur eines von beidem. Schuld ist also nicht der Vodka, sondern die Arbeit. Würden die Russen fürs Trinken bezahlt werden, würde die Wirtschaft blüüühen...

Wen es interssiert: Ich habe pünktlich zum 01. August (meinem Reiserückkehr-Eintrittsdatum in die SBZ) einen neuen Job in Bärlin. Günstigerweise sogar an meiner Uni bei einem Forscherkolleg, das über Europäische Integration arbeitet. Europäische was...? Na Europa halt. Würde man mich fragen: "Sebastian, wie definierst du eigentlich Europe?" würde ich sagen: "Mediterran." In Nordeuropa ist doch grad nix los, da gehts nur um den Lissabonner Vertrag und a bisserl Öl und Erdgas. Zu vernachlässigen also. In Südeuropa aber! Hoho!! Italien machts ja nu vor: Da geht es um Prostituierte, Mafia, Migration, Staatsmänner, Tonbandaufnahmen zwischen dem Staatsmann und der Prostituierten, Terrorismus, Baustopp, Haushaltsdefizit, Geständnisse der Prostituierten, Staatskrise, Nationalismus, Gegenaussagen gegen die Geständnisse der Prostituierten, Männlichkeit, Ehrbarkeit, Eitelkeit...aus demokratietheoretischer ist bisher - Zufall oder Fügung - nie diskutiert worden, ob man ein souveränes Volk auch mal dafür bestrafen sollte, wenn es Mist wählt. Und das gleich drei Mal! Das ist ganz ehrlich ein Defizit. Ein Demokratiedefizit quasi. Ein Milliarden schwerer Medienmogul, ein italienischer Lüstling, ein Zwerg namens Berlusconi - mal ehrlich: So heißt doch keiner! Und nochmal ehrlich: Das spricht nicht gerade für die Kompetenz des Volkes. Das darf auch ruhig gesagt werden. Die Italiener lieben "Amore" und wählen ihren Präsidenten nicht frei Schnauze, sondern frei Plauze. Je flacher, selbst im hohen Lebensalter, desto weniger denkt der Wähler nach, was er da tut. Das ist auch ein stückweit Tradition. Vermutlich hält sich Berlus(t)coni (abgekupfert von der einmaligen, unverwechselbaren BILD-Zeitung) nur an seinen früheren Landsmann Macchiaveli, der einst als Fürstenratgeber riet: "Auch wenn man unterliegt, soll man es in Ehren tun." Neueste Untersuchungen ergeben, dass er "untenliegt" geschrieben hat. Okay, das spielt in Deutschland natürlich keine Rolle. Wir wählen Angie auch ohne Waschbrettbauch. A propos Waschbrettbauch: Ich mache mir langsam Gedanken, wie ich...bei der kommenden Wahl denn wähle. Ich habe mich ja nun überreden lassen, Wechselwähler zu sein. Comme ci, comme ca! Das passt mir ganz gut. Meine Vorbilder seit frühester Kindheit sagen ja inzwischen auch:



Also warum einfach mal nicht wählen? Mal Hand aufs Herz: Als wenn einer von euch wüsste, was CDU, SPD, FDP oder Grüne neuerdings in der Bildungspolitik versprechen? Gut, bei der Linkspartei ist das anders, das ändert sich aber auch nie. Vielleicht fahren die damit sogar besser. Während sich Katholiken für Grüne öffnen und Sozialdemokraten für Neoliberale, weiß man bei den Trotzkisten...welch Versehen...bei den Lafontainisten, woran man ist. ***(Der nachfolgende Abschnitt wurde zum Schutze Minderjähriger nach Maßgabe des Jugendschutzgesetzes sowie aller wechselwilligen Wechselwähler vom MfS zensiert.)***

Ich habe langsam vergessen, worum es eigentlich in diesem Beitrag ging. Ich glaube, es ging um Abschied. Von Lyon, klar. Also auch von euch, Klara. Es wird mein (sollte ich die nächsten sieben Tage nicht rückfällig werden) letzter Beitrag sein. Es war eine tolle Zeit. Ich danke euch allen für Kommentare, Lesefreude und Geduld! Nichtsdestotrotz Dinge, die man nicht braucht, wenn man sich von Angesicht zu Angesicht begegnet. Soweit meine Hoffnung für die kommenden Wochen...

In diesem Sinne: Bis die Tage...:))

Basti

Dienstag, 14. Juli 2009

"...on it' s way to world domination."

Es ist heutiger Tage gängige Praxis, seine eigenen Ergebnisse an der Uni zu steigern, indem man die Ergebnisse anderer senkt. Ergebnisse, neudeutsch Outcomes, bauen auf Ressourcen auf - keine Ressourcen, keine Outcomes: Hausarbeiten werden - nicht einmal zur Inspiration - weitergereicht, Bücher in Bibliotheken werden versteckt und einschlägige Seiten herausgerissen oder der Kaffeeautomat außer Gefecht gesetzt, damit Kommilitonen in der Vorlesung einschlafen. Ich beherrsche diese Taktiken bisweilen einwandfrei. Altruiusmus war gestern, nur die besten kriegen nen Master-Platz! Zum Glück koche ich mir meinen Kaffe immer Zuhause, vielleicht genau deswegen. Ich möchte einen meiner letzten Beiträge auf diesem Blog nun aber doch dazu nutzen, um Ressourcen zu verbreiten, richtig gute Ressourcen sogar. Im iTunes Store gibt es eine Sparte namens iTunes U, auf der Vorlesungen von dutzenden Universitäten weltweit kostenfrei im Audio- oder Videoformat geladen werden können. Stanford, MIT, Oxford, Yale, dazu die deutschen Unis LMU München, Freiburg, Aachen und das HPI Potsdam, BWL, technische Wissenschaften, Philosphie, Musik, Sprachkurse, Politik, Mathe, etc. etc. etc.


Hier deshalb meine Topp-3-Empfehlungsliste:

@Sascha: Es gibt ein Programm der American Public Media namens "The President Calling", geht um aufgenommene Telefongespräche von Kennedy, Johnson und Nixon...Leider ein wenig zu spät für die Bachelorarbeit, aber interessant allemal...(hätt ichs früher gewusst, hätt ichs dir auch nicht gesagt, um entsprechend dem oben Gesagten dein Projekt zu torpedieren!) ;)

@Wolle-Mone-Clan: Die LMU München hat ein Video über korrekte Blutabnahme im Angebot. Ehe ihr jemanden umbringt, besser nochmal anschauen...;)

@alle Verrückten da draußen: Einfach mal die Einführungsvorlesung Psychologie der Yale University zu Herzen nehmen. Schließlich versprach der Prof., Yale würde das Projekt iTunes U dazu nutzen, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Die Therapie heißt also Machtstreben - genial!

Soviel dazu! Ich fliege morgen noch einmal nach Hause, meine lieben Großeltern feiern 50 Jahre trauter Zweisamkeit. Es wird ein Fest, soviel ist klar! Danach verbleiben noch zwei Wochen, um mein Projekt bei Interpol zu beenden. Mein Vorgesetzter ist bisweilen mehr als zufrieden, fertig werde ich trotzdem nicht werden. Ab 31.07. weile ich also wieder in Deutschland und werde erst einmal ein wenig auf Tour in die üblichen verdächtigen Städte gehen. Gleich am 01.08. ist zudem die Hochzeit meiner guten Freundin Wenka - meine erste, ihre erste, passt! Hoffentlich gibts genügend Trauzeuginnen, die an diesem Abend getröstet werden müssen, weil sie es noch nicht aufs Podest geschafft haben - keine Sorge, ich bin ja da!!:)) Immerhin verpasse ich schon den Junggesellenabend des Bräutigams und damit...na ihr könnt euchs denken.

So, ich widme mich wieder meiner Schätzung, wieviel denn nun genau 20 Kilogramm sind und wie man ein Jahr Abenteuer auf zwei Köfferchen verteilt. Altbekanntes Dilemma, wird schon!

Wen ich am Samstag sehe, sehe ich folglich am Samstag. Alle anderen bei nächster Gelegenheit.;) à plus...

seb

Samstag, 4. Juli 2009

Neu entdeckt: Wein hilft gegen Tendovaginosis stenosans


Ich werde das Gefühl nicht los, ich schreibe zunehmend häufiger über Religion. Das muss schrecklich langweilen. Aber vertraut man den geistig Erleuchteten, führt Gott meine Hand, ich kann also nichts dagegen tun. Außerdem wollte ich erst morgen wieder aus meinem Alltag erzählen, also gönnt mir meine Blasphemie, ja? Bitte!!

Mein Freund der Zeuge Jehovas war wieder da. Zum letzten Mal vermutlich, bald streich ich ja die Segel in Lyon. Aber er hat sein Versprechen gehalten und mir eine deutsche Fassung der Heiligen Schrift mitgebracht, in der Übersetzung der Zeugen versteht sich. Darin steht geschrieben:

"Und er wird gewiß Recht sprechen unter den Nationen und die Dinge richtigstellen hinsichtlich vieler Völker. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden müssen und ihre Speere zu Winzermessern. Nation wird nicht gegen Nation [das] Schwert erheben, auch werden sie den Krieg nicht mehr lernen." (Jesaja 1:25 - 2:12)

So interpretieren Zeugen Jehovas die Bibel: Die Kreuzzüge - ein einmaliger Irrtum, der den Christen einmalig dummerweise sieben Mal unterlief. Da ist es immerhin beruhigend zu wissen, dass wir Krieg von der Liste der größten Menschheitsbürden demnächst streichen können. Obwohl: Genau genommen steht da ja "die Dinge richtigstellen hinsichtlich VIELER Völker". Nun kann man behaupten, gemeint wären jene Völker, die statt dem rechten Pfad den linken genommen haben. Das wären dann die Russen. Man könnte aber auch sagen, "viele" Völker heißt einfach mal nicht "alle". Vielleicht muss ja nur dort drüben im Nahen, Mittleren und Fernen Osten mal was richtiggestellt werden, weil man diesseits der Mondsichel die Weisheit hat patentieren lassen (selbstredend bei Christen, Muslime kennen ja keine Patente). Dann stünden uns jetzt auf gleich jede Menge Araber zur Verfügung, die - "Schwerter zu Pflugscharen" - unsere Arbeit verrichten könnten, während der Christ den ganzen Wein verzehrt, den Jesus seit Jahrtausenden aus Wasser herstellt. Muss mühselig sein. Würde ers lassen, hätten wir auch keine Wasserknappheit mehr. Wasser für alle, heißt weniger Millionen Tote in Afrika. Tragen daran also am Ende vielleicht doch die Christen Schuld? Glaube ich nicht, immerhin tragen die schon ihr Kreuz auf dem Rücken. Und der Papst meint ja, das Problem sei gar nicht das Wasser, sondern die Kondome. Warum Leid lindern und verhindern, wenn man nur den Glauben braucht, um es auszuhalten!? Gott wird das schon richten. Ich find das ja doof, dass man den Typen erst abonnieren muss, ehe er einem hilft. Und unchristlich zudem. Bei ner Flatrate würde ich hingegen ins Grübeln kommen - die Kerzen kosten in Lyons Kirchen jedes Mal zwei Euronen, das ist in der Summe teurer, glaubts mir! "Glaube oder schmore"...mmh...manch einer würde das Erpressung nennen. Son anderer Typ aus der Geschichte nannte das "Opium fürs Volk".


(Still my favorite...)

"Opium fürs Volk"! Dürfte kein Christ gewesen sein...und wir wettern wirklich noch immer gegen Teufels Machwerk Marihuana. Da würde ich lieber tauschen (ich WÜRDE!). Sollte ich mich nun gänzlich irren, hoffe ich trotzdem, dass er irgendwann auch mal bei mir vorbeischaut. Vielleicht hilfts ja!? Mein Leid? Mein Leid ist ein Daumen. Und zwar ein schnellender. Quasi ein Schnappfinger. Ich rede nicht im Wahn, ich mein das schon auch ernst! Das ist tatsächlich eine Erkrankung, Tendovaginosis stenosans für alle anderen Mediziner unter uns. Die ganze Zeit ruckelt und zuckelt mein Daumen, reckt sich und streckt sich, und mein Kopf sagt nur: Tu das nicht! Aber er machts. Ist das Gottes Fügung? Ist das vielleicht sogar Gott selbst, der mir etwas sagen will? Und zwar über meinen Daumen?? Nur was? Oder handelt es sich einfach nur um sich mir als Gott offenbarender Magnesiummangel? Dann sollt ich die Korken knallen lassen, immerhin ist der Magnesiumanteil in Wein zwischen 50 und 200 g/L. Perfekt!!

Da ichs versprochen habe, nun noch völlig zusammenhangslos das Bild der INTERPOL-Praktis mit dem Generalsekretär. Kein Kommentar...


Guten Umtrunk & bis in Bälde in deutschen Gefilden!

Basti

Freitag, 26. Juni 2009

"Trotz seiner Gaben, eine tragische Figur", Update

So, nun gleich das Update. Das Mittagessen beim Secretary General war...nun ja...eine Achterbahnfahrt. Von vorne: Die Praktikanten sind gemeinsam in die fünfte Etage des Interpol Hauptquartiers, der besagten Höhle des Löwen, gefahren und haben an der Tür freundlich in die Kamera gelächelt. Die Klingel klang wie eine...Klingel, wie man sie an jedem Reihenhaus findet, schon eine etwas merkwürdige Szene. Man soll sich eben sogleich wie Zuhause, zumindest als `Gast bei Freunden´ fühlen. Da Monsieur le Président etwas verspätet, und weitestgehend unbemerkt, zu uns stieß, ließen wir uns auf der Dachterrasse des Hauses von Ronald Nobles eigenem Butler, überall nur als Christian bekannt (scheint wohl sein Name zu sein oder so), Wein und Häppchen reichen. Die Situation war schon beeindruckend, aber irgendwie unwirklich. Man muss dem Herrn des Hauses ja zu Gute halten, dass er sich wahrlich Zeit genommen hat für die Praktikanten des Hauses: Ausgedehntes Essen, nette bis kritische Gespräche, nirgendwo eine Uhr, folglich auch kein Blick auf die Zeit. Sehr angenehm das Ganze! Allerding hat Noble die Situation doch irgendwie unsouverän über die Bühne gebracht. Keine (guten) Witze, um das Eis zu brechen, ständig darauf bedacht, die Praktis zum Reden und Fragenstellen zu drängen, selbst mit teilweise obskuren Einwürfen. Ich meine, mal ehrlich jetze: Der Typ war Juraprofessor in New York City und in den 90ern Undersecretary unter Bill Clinton im Weißen Haus. Damit bin ich meinem Ziel im Übrigen wieder ein Stück näher, 2013 die amerikanische Präsidentschaft zu übernehmen und die Welt zu retten. Ach nee, meine Idee mit dem Change klappt ja jetzt nicht mehr. Nun gut, da muss ich umdenken und spontan improvisieren. Was haltet ihr von Yes, we can!? Hat doch irgendwie was von der Rundum-Keule oder nich? Passt! Wenn da nur nich dieses Gesetz wäre, dass Nicht-Amerikaner nicht der `mächtigste Mann´ der Welt werden dürfen...dann heirate ich mich eben ein, geht bestimmt...oder lass mich operieren, von `mächtigster Frau´ der Welt war da nie die Rede...oder ich bewerb mich einfach im Iran, da darf der Präsident wenigstens noch selbst bestimmen, mit welchem Vorsprung genau er die Wahl gewinnen will. Das ist mir attraktiver. Prächtig! Nun aber zurück zum Thema...

Das Büffet war doch äußerst nett: Salat, gefüllte Tomaten, Pizza, Pommes, Obst, Kuchen, Käse. Der erhoffte Hummer war Fisch, der Kaviar französische Maccarons und der Champagner Wein, aber wahrlich kein schlechter Fusel, liebe Leute! Und dazwischen immer wieder Christian, der Wein anbot, Wasser nachfüllte, Teller abräumte. Ob das nicht erniedrigend ist? Schon! Aber besser als Journalist, hehe...jedenfalls war Monsieur le Président für viele Fragen, Einwürfe, Kritiken und Argumente offen, versuchte aber doch immer, freundlichst bestimmend die Oberhand zu behalten. Irgendwann hatte er dann die Segel gesetzt, aber den Rumpf des Schiffes vergessen. Mit Plattitüden hier, eindimensionalen Fachsimpeleien dort konnte er uns irgendwie nicht überzeugen. Aber entscheidend war am Ende dann auch die Geste, um den Praktikanten zu zeigen, dass sie für die Zeit ihrer Anwesenheit bei Interpol quasi `dazugehören´. Ohh, und um uns zu sagen, dass wir die Gold umrandeten Teller mit dem Interpol-Emblem nicht mitnehmen dürften. Frage mich, woher er wusste, dass so ziemlich alle Praktis genau das vorhatten. Müssen Erfahrungswerte oder so sein. Aber dafür gabs Anstecker und Wimpel! Toll!


Nach geschlagenen zwei Stunden war dann alles vorbei, und wir kamen gut durchgekaut, aber alles in allem im Ganzen aus der Höhle des Löwen. Eine nachhaltige Erfahrung von Wert allemal! Etwas, um später einmal zu sagen: `Sohn, in deinem Alter...´...

In diesem Sinne! Schönes Wochenende

seb

"Trotz seiner Gaben, eine tragische Figur"*

Wenn man als junger enthusiastischer, in meinem Fall auch schon mal schläfrig träumender Student eines stets verhindern will, dann ist es ein Schreibtisch-Job. Nein, nein, nein, niemals! Und wenn ich stattdessen freier Journalist werden muss. Ich hab mich deshalb kurzerhand dazu entschlossen, in die investigative Verbrechensbekämpfung einusteigen. Klingt gut, ist es auch! Tatsächlich hab ich kleiner Prakti nicht mehr getan, als meine zarte Nichtraucherstimme für die deutschsprachige Version einer so genannten `Öffentlichkeitsfahndung´ herzugeben. Im Falle eines Mordfalls in der Türkei bittet Interpol also die Menschen auf der Straße darum, die Augen offen zu halten. Ein Blick auf die Interpol-Homepage lohnt sich. Der Fall ist schnell erklärt, nämlich hier. Die Qualität ist nicht berauschend, aber es erfüllt seinen Zweck, sofern es denn zur Kenntnis genommen wird.:) Dass ich das hier verbreite, hat seinen guten Grund: Ich komme damit nicht nur meiner unterschwellig gefühlten Verpflichtung gegenüber Interpol nach, sondern promote - ich bin mir über die Bosheit des Kommentars bewusst - gleichzeitig meine Stimme. Ok, ehrlich gesagt würde ich dieses Tape nicht zur Eigenvermarktung verwenden, aber auch nur deshalb nicht, weil der Inhalt des Gesprochenen die eigentliche Leistung der Stimme schmälert...ganz sachte, unbewusst und doch unaufhaltsam! Der Programmdirektor von Antenne Mecklenburg-Vorpommern hat mir übrigens während meines Praktikums 2005 dort einmal gesagt, ich hätte eine "interessante" Stimme, wie er es ausdrückte, was aber wohl soviel hieß wie: Die Teleshopping-Werbung auf QVC könnte auch von dir sein! Nun ja, bevor ich Journalist werde...

Nun zu etwas Anderem: Gleich ist Mittag! Das meint die Tages- wie auch die Mahlzeit. Der heutige Tag unterscheidet sich von allen anderen aber darin, dass statt guten Kantinenessen noch besseres Büffet serviert werden dürfte: Ein wenig Hummer hier, noch mehr Kaviar dort, ein Gläschen Champagner für den Herrn? So jedenfalls ist bis dato meine Vorstellung von der Höhle des Löwen, dem Obama Interpols, dem einsamen König am Ende der langen Tafel, kurzum: dem Generalsekretär. Irgendwo zwischen seiner Ankunft aus Bangladesh und seiner Weiterreise nach Kuala Lumpur schafft es Monsieur le Président Ronald K. Noble, die Praktikanten des Hauses zum Essen einzuladen. Man darf gespannt sein!

Schließlich und endgültig nun noch die versprochenen Fotos vom Sommer-Barbecue bei Interpol von vor zwei Wochen, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von meiner australischen Kollegin Annaliese:


Möge am Wochenende die Sonne scheinen, der Baggersee lauwarm sein und der Bikini noch passen! On verra...

seb

P.S.: Beinahe hätte ich es vergessen (und frage mich, wie das passieren konnte!): Es gibt Menschen, bei denen man froh ist, dass sie ihre Alben zur rechten Zeit produziert haben! Bei anderen wiederum wäre es besser...sie hätten nie einen Manager gefunden. May he rest in peace...



*in Anbetracht der Ermangelung eigener Kreativität habe ich kurzerhand die heutige Schlagzeile der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kopiert. Für die Vorarbeit wird gedankt!

Sonntag, 21. Juni 2009

Grenouille ist nicht der Name des Protagonisten von `Das Parfüm´!

Sie sind klein, grün, sprunghaft, man betatscht gerne ihre schleimige Haut, trägt sie über Straßen und Fahrradwege und frittiert sind sie gar ein echter Gaumenschmaus! Die Rede ist vom `grenouille´, was im Französischen glaube ich für so ziemlich alle Arten von Fröschen steht. Ob es also nun der Gemeine Gras- oder doch eher der Iberische Wasserfrosch war, der sich mir auf meinem Teller am gestrigen Samstag Mittag anbot, lässt sich schwer rekapitulieren...

Ich versuchs trotzdem anhand einer einfachen digitalen Verwandlungs-Dingens-Demo:


Meine Babysitter-Familie hatte mich zum Essen eingeladen. Die Froschschenkel sollte ich einfach noch mitnehmen. Also ab ins nördlich von Lyon gelegene Froschschenkelanbaugebiet Ain. Frohen Mutes war ich nicht gerade, kommt mit dem Beaujolais aus derselben Region offiziell immerhin einer der schlechtesten Weine der Welt (0 Sterne; Spoekenkieker berichtete). Was also hatte man von den Fröschen zu erwarten? Nun ja, ich drehs mal anders. Der Koch hat versucht, dem Touri das Essen gründlich zu vermiesen und mir noch viele kleine tote Spinnentierchen mit auf den Teller gepackt. Zwischen allen zart befleischten Froschschenkeln hatte sich ein Kokon niedergelassen, vielleicht wars auch einfach nur der Mageninhalt einiger Frösche gewesen. Hat dem Ganzen jedenfalls keinen Abbruch getan...An so nem Frosch ist ja nun wirklich nicht viel dran und gut gewürzt glaubt man sogar etwas Geschmack beim Rumkauen zu verspüren!:) Für den Hammerpreis von *** € jedenfalls eine vorerst eimalige Sache. Ach ja, das Hühnchen à la crème hat anschließend übrigens doch noch den Hunger vertrieben...

Im Anschluss haben wir noch einen Abstecher nach Perouges gemacht. Das Dörfchen, eingebettet in eine Festungsanlage, existiert seit...ziemlich langer Zeit und produziert seit jeher einen super Zuckerkuchen namens Galette de Perouges. In diesem Ort sind bestimmt auch Der Name der Rose, Johanna von Orléans und Braveheart gedreht worden - ein noch aus dem Mittelalter erhaltenes natürlicheres Bühnenbild findet man wohl selten. Heute ein Plätzchen für Künstler, Lebemenschen, Touristen und Heiratswillige. Beeindruckend! Die nun folgenden Aufnahmen werden euch präsentiert von: dem Internet. Eigene Kamera vergessen...

Mittwoch, 17. Juni 2009

100 + 80 +7 = ?

Da ist es! Das Nähkästchen. Irgendwie ist es mir in vergangener Zeit abhanden gekommen. Nun ist es wieder da und ich kann ein wenig daraus plaudern...

Zwei Wochen habe ich inzwischen bei Interpol verbracht - Zeit, einmal zu erklären, was genau ich da tue. Interpol verfügt über eine Reihe kriminalistischer Datenbanken, auf die alle 187 Mitgliedstaaten zugreifen können: darunter befinden sich Datenbanken über international gesuchte Straftäter, gestohlene Fahrzeuge, Terrorismusverdächtige, Fingerabdrücke, DNA und eben auch eine Datenbank über gestohlene und verlorene Reisedokumente, kurz: SLTD. (Nicht aufgeführt habe ich hier die Datenbank über 4-jährige, die an der Kaufhallenkasse unbemerkt von Mutters wachsamen Augen nen Schokoriegel einstecken und damit Ferrero und Co. schweren wirtschaftlichen Schaden zufügen - mmh, nun habe ich sie doch erwähnt...) Aber zurück zum Thema: Die SLTD-Datenbank wird von allen Staaten bespeist und beinhaltet über 17 Millionen Passdokumente, von denen viele von Kriminellen benutzt werden, um unentdeckt Grenzen zu passieren. Je nachdem, welcher Religion die Straftäter angehören, fälschen sie die Dokumente mal besser und mal schlechter. Manchmal auch gar nicht. Die wenigsten machen jedenfalls aus "Thommy" eine "Dörte". Das hat mit Aufrichtigkeit gegenüber Gott, Nächstenliebe und dem Transvestiverbot in den meisten Religionen zu tun...oder so...wer weiß. Jedenfalls wird diese Datenbank bei der Einreise in die meisten Staaten automatisch gegengecheckt. Das Schengen-Europa bildet da eine Ausnahme. Welch Paradies für Straftäter...

Lange Rede, langer Sinn: Meine Aufgabe ist es nun, für Interpol zu erfassen, um wieviele Grenzübergänge es sich dabei weltweit potentiell handelt. Und das Ganze aufgesplittet nach Regionen und noch einmal nach Nationalstaaten. 100 + 80 + 7. Und das dann nochmal nach Monaten von 2008 an bis heute. 100 + 80 + 7. Dafür gibts leider nicht mal eben einen Email-Verteiler. Also habe ich bei Gott anrufen wollen, aber der war wie immer nicht Zuhause - warum versuch ichs eigentlich noch? Also muss ich mich nun mit den wenigen internationalen Organisationen in Verbindung setzen, die über etwaige Informationen verfügen (könnten) und wenn nicht, dann eben mit nationalen Ministerien, Agenturen, Orgas, etc...100 + 80 + 7. Das ist für Europa ja noch machbar, aber dass der Ahmadinedschad im Iran oder Sir Cuthbert Montraville Sebastian auf St. Kitts und Nevis über solche Daten verfügen, ist...nun ja...lassen wir das, dann schätzen wir eben, das können Politikwissenschaftler eh besser. Oh, ach ja, St. Kitts und Nevis ist tatsächlich ein unabhängiger Staat, in der Karibik liegend und Mitglied von Interpol...

Der Eindruck mag falsch sein: Ich habe riesigen Spaß zwischen diesen ganzen Detektiven! Aber genug für heute. Vom Barbecue vergangene Woche erzähle ich nächstes Mal...

Lasst es euch gut gehen!
der seb